Das Hochwasserschutzprojekt Attergau schreitet planmäßig voran. Nachfolgend finden Sie den aktuellen Stand der Arbeiten sowie eine Erklärung der wichtigsten Maßnahmen.
Planungsstand und Ausschreibung
Hochwasserrückhaltebecken sind große, kontrolliert überflutbare Bereiche, die bei starken Regenfällen Wasser aufnehmen und speichern. Dadurch wird verhindert, dass zu große Wassermengen gleichzeitig durch bewohnte Gebiete fließen und Schäden verursachen.
Mit Anfang März 2026 liegen für das sogenannte Hauptbaulos – also den zentralen Bauabschnitt mit den drei Hochwasserrückhaltebecken – alle erforderlichen technischen Unterlagen vollständig vor.
Dazu gehören:
- Polierplanungen: Das sind detaillierte Ausführungspläne für die Bauleitung vor Ort, die genau festlegen, wie einzelne Bauteile hergestellt werden.
- Statikberechnungen: Diese Berechnungen stellen sicher, dass alle Bauwerke stabil und dauerhaft standsicher sind.
- Geotechnische Abklärungen: Dabei wird der Baugrund (Boden und Untergrund) untersucht, um sicherzustellen, dass er für die geplanten Bauwerke geeignet ist.
- Ausschreibungsleistungsverzeichnis: Eine umfassende Aufstellung aller Bauleistungen, die benötigt werden. Dieses Dokument bildet die Grundlage für die Angebotserstellung durch Bauunternehmen.
Als nächster Schritt wird ein offenes Ausschreibungsverfahren nach dem Bundesvergabegesetz durchgeführt. Das bedeutet, dass qualifizierte Bauunternehmen öffentlich eingeladen werden, Angebote für die Bauarbeiten einzureichen.
Untersuchungen des Baugrunds und Vermessung
Zur optimalen Planung wurden umfangreiche Untersuchungen des Bodens durchgeführt.
Dazu zählen:
- Schürfe: Kleinere Grabungen zur direkten Untersuchung der Bodenschichten.
- Rammsondierungen: Messverfahren, bei denen eine Sonde in den Boden gerammt wird, um dessen Festigkeit zu bestimmen.
- Bohrungen: Tiefere Untersuchungen zur Analyse des Untergrunds.
Zusätzlich wurden zwei wichtige Messnetze eingerichtet:
- Ein Grundwasserbeobachtungsnetz, um den Grundwasserstand und dessen Veränderungen zu überwachen.
- Ein Präzisionsvermessungsnetz, das eine exakte Vermessung des Geländes ermöglicht und als Grundlage für alle Bauarbeiten dient.
Verlegung und Modernisierung von Leitungen
Zur Vorbereitung des Baugeländes mussten bestehende Leitungen verlegt oder erneuert werden (dies wird als Baufeldfreimachung bezeichnet). Folgende Arbeiten wurden bereits durchgeführt:
Wasserversorgung
- Errichtung von ca. 1.100 Metern neuer Wasserleitungen.
- Diese befinden sich aktuell in der Druckprüfung (Überprüfung auf Dichtheit und Stabilität) sowie in der Desinfektion (Reinigung zur Sicherstellung der Trinkwasserqualität).
- Die Inbetriebnahme ist für März 2026 vorgesehen.
Stromversorgung
Vorbereitung der Erdverkabelung (unterirdische Verlegung statt oberirdischer Leitungen):
- ca. 500 Meter Mittelspannungsleitungen (Versorgung größerer Bereiche)
- ca. 400 Meter Niederspannungsleitungen (Versorgung von Haushalten)
- Diese ersetzen künftig die derzeit vorhandenen Freileitungen.
- Inbetriebnahme voraussichtlich im April 2026.
Abwasserentsorgung
Bereits im Dezember 2025 wurde ein neues Schmutzwasserpumpwerk in Betrieb genommen. Dieses dient dazu, Abwasser zu sammeln und weiterzuleiten, wenn ein natürliches Gefälle nicht ausreicht.
Zusätzlich wurden etwa 200 Laufmeter Schmutzwasserkanal im Zulauf- und Ablaufbereich errichtet.
Weitere Versorgungsleitungen
Ab März 2026 beginnen weitere Leitungsverlegungen:
- ca. 500 Meter Glasfaserhauptleitung (für schnelles Internet)
- ca. 200 Meter Wasserleitungen
- ca. 200 Meter Gasleitungen
Ersatzmaßnahmen und Infrastruktur
Ersatzfläche für den Hundesportverein
Da sich der bisherige Standort des Hundesportvereins im Bereich eines zukünftigen Rückhaltebeckens befindet, wurde eine Ersatzfläche geschaffen. Nach ausreichendem Wachstum der neu angelegten Grünflächen kann diese Fläche voraussichtlich Ende 2026 genutzt werden.
Ersatzstraße für den Verkehr
Während der Bauzeit sind teilweise Straßensperren notwendig. Um die Verkehrsanbindung sicherzustellen, wurde eine etwa 350 Meter lange Ersatzstraße mit Gewässerquerung (Brücke oder Durchlass über ein Gewässer) errichtet.
Gewässerschutz und ökologische Maßnahmen
Im Bereich des Rückhaltebeckens Dürre Ager wird das Gewässersystem vollständig neu gestaltet.
Um die Wasserqualität während der Bauarbeiten zu schützen und Trübungen zu reduzieren, wurde der Bach auf einer Länge von etwa 300 Metern in ein provisorisches Gerinnebett umgeleitet. Ein Gerinne ist das natürliche oder künstliche Bachbett, in dem das Wasser fließt.
Bevor der ursprüngliche Gewässerabschnitt trockengelegt wurde, erfolgte unter fachkundiger Begleitung eine sogenannte Abfischung:
- Dabei wurden alle Fische schonend aus dem betroffenen Abschnitt entnommen.
- Der Fischbestand wurde dokumentiert.
- Anschließend wurden die Tiere in geeigneten Gewässerabschnitten wieder eingesetzt.
Diese Maßnahme dient dem Schutz der heimischen Fischpopulation.
Rodungsarbeiten und Anpassung der Forstwege
Derzeit laufen im gesamten Baustellenbereich:
- Rodungsarbeiten, also das Entfernen von Bäumen und Sträuchern, soweit dies für die Bauarbeiten notwendig ist.
- Die Umlegung von etwa 1.100 Metern Forststraßen, damit diese auch nach Fertigstellung der Rückhaltebecken weiterhin nutzbar bleiben.
Zeitplan für die Errichtung der Hochwasserrückhaltebecken
- Baubeginn Hauptbaulos (3 Hochwasserrückhaltebecken): Mai 2026
- Geplante Fertigstellung und Inbetriebnahme aller drei Rückhaltebecken: Ende 2027
Zusammenfassung
Das Projekt befindet sich derzeit planmäßig in der Vorbereitungsphase. Die notwendigen Leitungsverlegungen, Untersuchungen und vorbereitenden Baumaßnahmen sind größtenteils abgeschlossen oder im Gange. Der Baubeginn für die zentralen Hochwasserschutzanlagen ist für Mai 2026 vorgesehen. Mit der Fertigstellung Ende 2027 wird ein wesentlicher Beitrag zum Schutz der Gemeinden im Attergau vor Hochwasser geleistet.